Ganz gleich, ob Sie Wegwerfwindeln verwenden, Stoffwindeln nutzen oder mit Ihrem Baby die windelfreie Kommunikation praktizieren: Irgendwann kommt der Tag, an dem Sie über das Abgewöhnen der Windel nachdenken. Eine allgemeingültige Anleitung gibt es nicht, jedes Kind fängt unterschiedlich früh an zu laufen, unterschiedlich früh zu sprechen und wird auch erst dann windelfrei, wenn es dazu bereit ist. Welche Methoden des Abgewöhnens gibt es also und wann sollte man damit anfangen?
Wann mit dem Abgewöhnen beginnen
Der Zeitpunkt, zu dem man mit dem Abgewöhnen der Windel beginnt, ist sehr individuell. Manche setzen ihr Kind direkt aufs Töpfchen, sobald es selbstständig sitzen kann, andere warten, bis das Kind selbst Bescheid sagt. Ein passender Zeitpunkt, der für alle gilt, existiert nicht. Es hängt auch von der Methode ab, die Sie fürs Abgewöhnen wählen. Sicher ist jedoch: Wenn das Kind nicht will, können Sie sich ruhig auf den Kopf stellen, es wird trotzdem nicht windelfrei.
Kinder sind meist für das Abgewöhnen reif, wenn sie tagsüber seltener, aber in größeren Mengen urinieren. Und auch dann, wenn sie zum Erledigen ihres Geschäfts in einen anderen Raum gehen oder sich ein Stück von Ihnen entfernen. Das bedeutet nämlich, dass sie ihren Harndrang bewusst wahrnehmen. Manche teilen Ihnen das auch nach dem Geschäft mit.
Methoden des Abgewöhnens
Aufs Töpfchen setzen
Diese Methode kennen schon unsere Großmütter, und viele Mütter wenden sie auch heute noch an. Der Nachteil des Töpfchensitzens ist der Zeitaufwand im Laufe des Tages, und insgesamt dauert es meist ziemlich lange. Sie fragen das Kind ständig, ob es mal muss, und versuchen, es „mit Zähnen und Klauen“ auf dem Töpfchen zu halten, bis es das versteht. Die Schwierigkeit dieser Methode besteht darin, dass das Kind lernt, auf Zuruf bzw. auf das Signal der Eltern ins Töpfchen zu pinkeln, und es nicht mit seinem eigenen Bedürfnis verbindet. Ebenso kann es sein, dass das Kind nach einer Weile den Satz „Musst du nicht pinkeln?“ ausblendet und Sie ignoriert.
Indianermethode oder: in 7 Tagen windelfrei
Schneller ist die sogenannte Indianermethode, die verspricht, innerhalb einer Woche windelfrei zu werden. Sie besteht darin, dass man dem Kind um das zweite Lebensjahr herum von einem Tag auf den anderen die Windeln wegnimmt (zum Schlafen in der Nacht und tagsüber werden sie weggelassen). Das Abgewöhnen dauert dann ungefähr ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit, vor allem in den ersten Tagen, empfiehlt sich ein ruhigerer Alltag ohne größere Besuche und Ausflüge, damit Sie sich auf die Signale des Kindes einstellen können und nicht so oft draußen nasse Kleidung wechseln müssen. Sie müssen damit rechnen, dass es Unfälle geben wird, bis das Kind versteht, wozu das Töpfchen da ist. Wichtig ist, sich mit Geduld zu wappnen und sich fest für diese Methode zu entscheiden, damit Sie das Kind nicht verwirren, wenn Sie ihm die Windeln später wieder anziehen.
Es dem Kind überlassen
Diese Methode kann auf negative Reaktionen aus dem Umfeld stoßen, weil es lange dauern kann, wenn man es dem Kind überlässt. Der Vorteil dieser Methode ist ihre Einfachheit. Man setzt das Kind einfach nicht aufs Töpfchen, nimmt ihm die Windeln nicht weg, sondern wartet, bis es selbst sagt, dass es keine Windeln mehr will und aufs Töpfchen oder direkt auf die Toilette gehen wird. Nach den Erfahrungen von Müttern passiert das dann von einem Tag auf den anderen, und sogar direkt ohne Windel in der Nacht. Diese selbstständige Abgewöhnung ist meist mit etwa 2,5 bis 3 Jahren abgeschlossen.
Wenn Sie sich entscheiden, es dem Kind zu überlassen, heißt das nicht, dass Sie es nicht schon früher mit dem Töpfchen bekannt machen. Es kann damit spielen, sich daraufsetzen, Stofftiere daraufsetzen, einfach alles Mögliche damit machen – Sie drängen es nur nicht, erklären es und warten. Großmütter und Großväter werden das sicher nicht gutheißen, also bereiten Sie sich darauf vor und erklären Sie ihnen, dass es nur und ausschließlich Ihre Sache ist.
Gleich die Toilette ausprobieren
Da Kinder durch Nachahmung lernen, verstehen sie vielleicht nicht, warum sie überhaupt ins Töpfchen pinkeln sollen, wenn doch alle anderen es auf der Toilette machen. Sie können also einen Kindersitz für die Toilette besorgen und es so ausprobieren. Wenn das Kind jedoch noch nicht bereit ist, sich von der Windel zu verabschieden, hilft auch der Sitz nicht.
Wie man nachts windelfrei wird
Ein eigenes Kapitel ist das Abgewöhnen für die Nacht. Es kann nämlich sein, dass Ihr Kind tagsüber schon ab anderthalb Jahren ohne Windel auskommt, nachts aber noch bis zum dritten Lebensjahr eine trägt. Das hängt davon ab, wie tief Ihr Kind schläft und ob es durch den Harndrang oder den Wunsch, auf die Toilette bzw. aufs Töpfchen zu gehen, geweckt werden kann. Es gibt nämlich Kinder, die so tief schlafen, dass sie längere Zeit noch nicht ohne Schlafwindel auskommen.
Wichtig ist auf jeden Fall, dem Kind vor dem Schlafengehen nicht zu viele Flüssigkeiten zu geben und es noch einmal pinkeln zu lassen, bevor es schlafen geht. Wenn die Windel nach dem Mittagsschlaf mindestens einen Monat lang trocken bleibt, können Sie versuchen, genau bei diesem Schlaf ohne Windel auszukommen. Wenn auch der nächste Monat ohne Unfall verläuft, können Sie es auch nachts ohne Windel versuchen. Rechnen Sie damit, dass es hin und wieder noch Unfälle geben kann, für die Sie das Kind auf keinen Fall bestrafen sollten. Unfälle passieren oft mit der Ankunft eines weiteren Geschwisters oder bei Spannungen in der Familie. Manche Kinder nässen nachts noch mit 5 Jahren ein, und das ist nichts Ungewöhnliches.
Hilfe beim Abgewöhnen
Beim Abgewöhnen können Ihnen neben dem Töpfchen oder dem Kindersitz für die Toilette noch folgende Helfer nützlich sein:
- Gebärden - wenn das Kind noch nicht spricht, können Zeichen wie „Töpfchen“, „nochmal“ und „fertig“ helfen, mit denen Sie sich beim Töpfchentraining gut verständigen können;
- Trainingshöschen - beim tagsüber windelfrei werden, vor allem unterwegs;
- wasserdichte Unterlage fürs Bett - beim Abgewöhnen für die Nacht ist sie ein unverzichtbarer Helfer.
Wenn Sie bereits mitten im Abgewöhnungsprozess sind und es nicht so gut klappt oder Sie gerade erst anfangen, versuchen Sie, nicht so viel Druck auf das Kind auszuüben, und gönnen Sie sich ruhig eine Pause. Es kann nämlich sein, dass das Kind, sobald es keinen Druck vonseiten der Eltern spürt, innerhalb weniger Tage oder Wochen von selbst windelfrei wird. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg, und keine Sorge: Alle Kinder lernen es irgendwann.





Einen Kommentar schreiben
Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.