Es mag den Anschein haben, dass es unnötig ist, ein Kind zu tragen, das älter als 1–3 Jahre ist, dass das Kind das nicht braucht, dass es doch schon allein läuft, dass wir es damit unnötig verwöhnen und so weiter. Das stimmt überhaupt nicht. Warum und in welchen Situationen ist es großartig, auch größere Kinder zu tragen?
Arten des Tragens von Kindern
Unter Tragen versteht man jede Art, bei der das Kind nicht selbst geht und jemand es trägt. Das kann auf dem Arm, auf den Schultern oder auch im Tuch, in der Trage oder in der Rückentrage sein. Am anstrengendsten ist sicherlich das Tragen auf dem Arm oder auf den Schultern, weil wir die Hände nicht frei haben und ungeeignete Körperpartien stark belasten.
Das Tragen in der Rückentrage (Kindersitz) wird vor allem bei Wanderungen und Ausflügen genutzt. Man muss dabei aber bedenken, dass die Rückentrage selbst schon ein höheres Gewicht hat (mindestens 3 kg) und dass das Kind an kühleren Tagen darin gut angezogen sein muss, weil es keine Wärme durch den Kontakt mit dem Elternteil bekommt, wie es beim Tuch und der Trage der Fall ist. Andererseits überhitzt es an Sommertagen in der Rückentrage nicht.
Das Tragen im Tuch oder in der Trage ist auch bei größeren Kindern kein Problem. Heute gibt es bereits eine ganze Reihe von Tüchern mit höherem Flächengewicht, die auch ein 20 Kilo schweres Kind tragen können. Bei Tragen ist es ähnlich, meist sind sie als Toddler gekennzeichnet und tragen bis zu 30 kg. Sowohl Tuch als auch Trage wiegen ungefähr 1 kg, sind kompakt und bequem für Kind und tragende Person.
Warum auch größere Kinder tragen (im Tuch oder in der Trage)
- Freie Hände - wenn ein Kind aus irgendeinem Grund getragen werden möchte oder muss, ermöglichen uns Tuch und Trage, die Hände frei zu haben und dabei zu kochen, aufzuräumen, zu tanzen, spazieren zu gehen, am Computer zu arbeiten – kurz gesagt, alles zu tun, was uns einfällt, ohne größere Einschränkungen.
- Zwischendurch tragen - wenn ein Kind allein laufen möchte, aber längere Strecken nicht schafft, sind sowohl das Tuch (zum Beispiel Ring Sling) als auch die Trage (zum Beispiel Onbuhimo) gut zum Zwischendurchtragen geeignet.
- Einschlafen - manchen Kindern fällt es nicht leicht, einfach so im Bett einzuschlafen, und sobald sie im Tuch oder in der Trage geschaukelt werden, schlafen sie im Nu ein (wenn möglich, kann man das Kind für den Rest des Schlafs ins Bett legen).
- Für Ausflüge und Wanderungen - eine größere Trage eignet sich für Wanderungen, wenn das Kind nicht den ganzen Weg laufen kann und der Kinderwagen dort nicht durchkommt.
- Bei Krankheit und Schmerzen (z. B. beim Zahnen) - wenn Kinder irgendwo Schmerzen haben, schlafen sie in unserer Nähe besser und ruhiger. Gleichzeitig kann man Haut-zu-Haut tragen und dank der Körperwärme der Eltern die Temperatur des Kindes bei Fieber senken.
- Müdigkeit - die Trage hilft, wenn das Kind müde ist und die Beine weh tun (auf einem Ausflug oder bei einem längeren Spaziergang). Außerdem kann man den ganzen Tag mit dem Kind draußen sein und wenn die Zeit für seinen Nachmittagsschlaf kommt, setzt man es einfach auf den Rücken ins Tuch/in die Trage und geht fröhlich weiter.
- Einfacheres Reisen in der Stadt - ÖPNV, Treppen, Geschäfte mit engen Gängen.
- Diskretes Stillen - in der Trage kann man diskret stillen und gleichzeitig das Kind einschlafen lassen, ohne dass es jemand bemerkt.
- Auch Tragen in der Schwangerschaft ist kein Hindernis - am Anfang kann man klassisch vor dem Bauch tragen, später dann auf dem Rücken.
Auch wenn das Kind schon größer ist, ruhig ein Zweijähriger oder Dreijähriger, lässt es sich gern tragen – wir verwöhnen es damit sicher nicht. Irgendwann kommt der Moment, in dem es nicht mehr getragen werden möchte und uns insgesamt nicht mehr so sehr braucht. Deshalb können wir die ersten Lebensjahre des Kindes nutzen, um ihm Nähe zu schenken und ihm zu helfen, die Welt aus unserer Nähe zu entdecken.





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